Culinary Bridges – wie Kochen Brücken zwischen jungen Menschen baut
Abschlussbericht zum Erasmus+ Jugendaustausch „Culinary Bridges – Fostering social inclusion through shared cooking practices", durchgeführt von Brezn e.V. vom 25. Juni bis 3. Juli 2026 in Hemmersheim, Deutschland.
Acht Tage, vier Länder, eine Küche: Beim Jugendaustausch Culinary Bridges kamen 30 junge Menschen aus Deutschland, Serbien, Tschechien und Zypern auf einem Bio-Bauernhof im fränkischen Hemmersheim zusammen, um gemeinsam zu kochen, voneinander zu lernen und über Essen miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert und von Brezn e.V. (München) gemeinsam mit dem zyprischen Partner Moufflons organisiert.
Die Idee hinter dem Projekt
Culinary Bridges nutzt das Kochen als das, was es im Alltag wirklich ist: ein verbindendes, niedrigschwelliges und universell verständliches Mittel, um Menschen zusammenzubringen. Rund um den gemeinsamen Herd lassen sich Sprachbarrieren überwinden, kulturelle Unterschiede erleben und praktische Fähigkeiten vermitteln – und zwar für alle, unabhängig von Herkunft oder Vorerfahrung.
Entsprechend verfolgte das Projekt mehrere Ziele zugleich: soziale Inklusion durch gemeinsames Tun, interkulturellen Austausch über die Küche der Heimatländer, den Aufbau praktischer Koch- und Lebenskompetenzen, aktive Beteiligung und Verantwortungsübernahme der Teilnehmenden sowie ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Umgang mit Lebensmitteln. All das verbunden mit einem methodischen Ansatz non-formalen Lernens – und dem Anspruch, ein übertragbares Modell zu schaffen, das auch andere Jugendprojekte inspirieren kann.
Ein Austausch aus vier Ländern
Die 30 Teilnehmenden reisten aus Deutschland, Serbien, Tschechien und Zypern an. Von Beginn an arbeiteten sie in gemischten Teams und übernahmen selbst Verantwortung für den Ablauf: In festen „Active Groups" kümmerten sie sich um Dokumentation, Digitalisierung, Content und das gemeinsame Sauberhalten der Küche und Räume. So wurde das Camp von Anfang an zu einem Projekt, das die jungen Menschen mitgestalteten, statt es nur zu besuchen.
Wie der Austausch aufgebaut war
Das Programm folgte einem klaren Bogen – vom Ankommen und Kennenlernen über das gemeinsame Kochen und den kulturellen Austausch bis hin zur öffentlichen Wirkung und der abschließenden Reflexion.
Ankommen und Kennenlernen
Nach der Anreise standen zunächst das Zusammenfinden und gemeinsame Regeln im Mittelpunkt. Spiele wie das „Name Game" und „Secret Friend" brachen das Eis, im „World Café" diskutierten die Teilnehmenden, was Begriffe wie Essen, Junk Food und Lebensmittelproduktion für sie persönlich bedeuten. Schon hier begann das praktische Lernen: In einem Peer-Learning-Format brachten sich die Jugendlichen gegenseitig das richtige Schneiden von Zwiebeln und Gemüse bei.
Kompetenzen, Leadership und gemeinsames Kochen
Ein eigener Schwerpunkt lag auf Kompetenzen und Leadership: In Gruppenarbeiten wählten die Teilnehmenden Verantwortliche, reflektierten, was Führung und eigene Stärken ausmachen, und brachten sich in Paaren jeweils eine neue Fähigkeit bei, die anschließend präsentiert wurde. Daran schloss das Herzstück des Projekts an – das gemeinsame Kochen. Alle Mahlzeiten wurden zusammen zubereitet, wobei die Teilnehmenden eigenständig komplette Gerichte und ganze Menüs kochten.
Nach dem Prinzip des problembasierten Lernens erhielten die Gruppen die Aufgabe, eine Mahlzeit für 30 Personen zu planen und umzusetzen – inklusive Mengenberechnung, realistischem Budget und Zeitplanung sowie mit Rücksicht auf unterschiedliche Ernährungsweisen (halal/koscher, ohne Fisch, laktose- und glutenfrei). In einer weiteren Übung kochten jeweils zwei Teilnehmende füreinander ihr Lieblingsgericht und erklärten, warum ihnen genau dieses Gericht so viel bedeutet.
International Night und kultureller Austausch
Bei der International Night präsentierten die Länderteams ihre kulinarische Herkunft – mit Essen, Musik, Geschichten und kleinen Spielen. Ein besonderer Programmpunkt war der von Projektleiter Marko gestaltete Kaffee-Workshop über verschiedene Kaffeesorten und die Zubereitung von Filterkaffee – geleitet von einem ehemaligen deutschen Vize-Meister im Filterkaffee. So wurde auch das scheinbar Alltägliche zu einer Gelegenheit, genauer hinzuschauen und Neues zu lernen.
Nachhaltigkeit
Ein ganzer Projekttag war dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Nach einem ehrlichen „Reality Check" zu Essensresten erarbeiteten die Teilnehmenden in einem interaktiven Workshop konkrete Strategien gegen Lebensmittelverschwendung – vom smarten Einkauf über die richtige Lagerung bis zur kreativen Resteverwertung. In Gruppenarbeiten entwickelten sie einen eigenen „No-Waste-Plan" und schlossen mit einem gemeinsamen Nachhaltigkeits-Versprechen ab. Das Vermeiden von weggeworfenem Essen war dabei kein Theoriethema, sondern wurde über die gesamte Woche hinweg bewusst in die Praxis umgesetzt.
Das Community Dinner
Höhepunkt und zugleich Praxistest des Gelernten war das öffentliche Community Dinner: Die Teilnehmenden planten, kochten und bewirteten einen Abend für 37 Gäste aus dem Dorf. Aus dem internen Lernprozess wurde so echtes gesellschaftliches Engagement – die jungen Menschen brachten ihre neu erworbenen Fähigkeiten direkt in die lokale Gemeinschaft ein und schlugen eine Brücke zwischen Austauschgruppe und Dorf.
Gemeinschaft abseits der Küche
Zwischen den Einheiten blieb viel Raum für Gemeinschaft: ein Ausflug ins örtliche Schwimmbad, Karaoke-Abende, ein Tischtennis-Turnier, Uno und zahlreiche weitere Gesellschaftsspiele sowie gemeinsame Just-Dance-Runden. Gerade diese Momente außerhalb des Programms stärkten den Zusammenhalt und machten aus einer internationalen Gruppe in kurzer Zeit eine echte Gemeinschaft.
Was am Ende bleibt
Zum Abschluss reflektierten die Teilnehmenden gemeinsam, was gut lief und was sie mitnehmen, und erhielten ihren Youthpass – das europäische Instrument zur Anerkennung non-formalen und informellen Lernens, das ihre im Projekt erworbenen Kompetenzen dokumentiert. Darüber hinaus entsteht aus den gemeinsam gekochten Gerichten ein Kochbuch, das die Rezepte des Projekts festhält und Culinary Bridges über die Austauschwoche hinaus weiterträgt.
Was bleibt, ist mehr als eine Sammlung von Rezepten: neue Freundschaften über Ländergrenzen hinweg, praktische Koch- und Lebenskompetenzen, ein geschärftes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Erfahrung, dass ein gemeinsames Essen Menschen verbinden kann, die sich eine Woche zuvor noch fremd waren.
Ein Ausblick
Culinary Bridges hat gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn man junge Menschen gemeinsam an einen Herd stellt. Als übertragbares Modell versteht sich das Projekt als Einladung an andere Organisationen, Kochen als Werkzeug für Lernen, Inklusion und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu nutzen. Brezn e.V. bedankt sich bei allen Teilnehmenden, den Partnern Moufflons, Trieskec, Primmat und dem Programm Erasmus+ für diese besondere Woche.
„Culinary Bridges" wurde im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein Brezn e.V.; die Europäische Union haftet nicht für die weitere Verwendung der enthaltenen Informationen.