Drei Wochen Basketball auf Zypern – mein Erasmus+ Job Shadowing in Agros

Erfahrungsbericht von Alexandra Nitsch über ihr dreiwöchiges Job Shadowing in einem internationalen Basketballtrainingscamp (19. Juli – 7. August 2026).

Im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität von Brezn e.V. habe ich drei Wochen lang im Rodon Hotel in Agros auf Zypern an einem Basketballtrainingscamp mitgearbeitet. Mein Ziel war es, im Wege des Job Shadowings direkt von den Haupttrainern zu lernen, praktische Erfahrung im Jugend- und Nachwuchstraining zu sammeln und mich Schritt für Schritt selbst in Planung und Durchführung der Trainingseinheiten einzubringen. Was ich mitgenommen habe, geht weit über Basketball hinaus.

Das Camp in Agros

Das Camp richtete sich an Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Herkunft und Spielstärke und war in drei aufeinanderfolgende Wochendurchgänge mit jeweils eigener Gruppe gegliedert. Sonntags kam eine neue Gruppe an und erhielt Trikots und Trainingsbekleidung, samstags war Abreisetag mit Zertifikatsübergabe. Schon am Ankunftstag wurde jede Gruppe in einer 3-gegen-3-Sichtung auf dem Open Court eingeschätzt, um Trainingsgruppen und Leistungsniveaus festzulegen.

Die Zusammensetzung war jede Woche anders: In der ersten Woche waren es überwiegend palästinensische und zypriotische Teilnehmende, in der zweiten vor allem zypriotische, in der dritten deutsche und zypriotische Kinder. Insgesamt umfasste das Programm 27 dokumentierte Trainingseinheiten in Vormittags- und Nachmittagsblöcken – ergänzt durch Turniere, Teambuilding und freie Zeit. Getragen wurde alles von den Haupttrainern des Camps, denen ich während des gesamten Aufenthalts zugeteilt war.

Vom Zuschauen zum Mitgestalten

Meine zentrale Aufgabe war es, die Haupttrainer bei Planung, Vorbereitung und Durchführung der täglichen Einheiten zu begleiten – und dabei schrittweise mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Am Anfang stand die Beobachtung im Vordergrund: Wie baut man eine Einheit auf? Wie differenziert man zwischen Altersgruppen und Leistungsniveaus? Wie gibt man Feedback, und wie verbindet man spielerische Elemente mit gezielter Technikschulung?

Im Laufe der drei Wochen wandelte sich meine Rolle spürbar. Aus dem Beobachten wurde aktives Mitgestalten: Materialaufbau vor jeder Einheit, die eigenständige Betreuung einzelner Gruppen und Stationen – etwa als ich mit den jüngeren Kindern an grundlegenden Ballhandling-Fertigkeiten arbeitete –, organisatorische Aufgaben wie das Erstellen von 3x3-Spielerprofilen und die offizielle Turnieranmeldung auf der 3x3-Plattform, bis hin zum Coaching am Spielfeldrand bei den 3x3- und 5x5-Turnieren. Dieses schrittweise Heranführen erlaubte mir, die pädagogische wie die methodische Perspektive der Trainer kennenzulernen und gleichzeitig meine eigenen Trainerfähigkeiten praktisch zu erproben.

Wie sich das Training über drei Wochen entwickelte

Ein roter Faden zog sich durch die gesamte Zeit: Übungen so zu gestalten, dass die Kinder nicht nur Technik, sondern auch Entscheidungen trainieren. In der ersten Woche ging es um Grundlagen, Reaktion und erste Wettkämpfe – Ballhandling, Fußarbeit, Finishing-Übungen und Abschlüsse, bei denen ein Zuruf entschied, welche Variante gespielt wird. Immer wieder das gleiche Prinzip: innerhalb einer Übung bewusst Wahlmöglichkeiten schaffen, um Spielintelligenz zu schulen.

Die zweite Woche stellte Passspiel und Turnierorganisation in den Mittelpunkt, inklusive des ersten offiziellen 3x3-Turniers mit Gruppenphase, Halbfinale und Finale auf dem Open Court. In der dritten Woche kamen taktische Elemente dazu – Pick-and-Roll-Varianten, reglementierte Spielformen und Continuum-Übungen –, bevor der Aufenthalt mit einem Abschlussturnier im 3x3-Format endete. Neben dem Court gab es „Hotel Olympics", Aquafitness- und Yoga-Einheiten zur Regeneration sowie Ausflüge in die Mall nach Limassol und an den Strand.

Interkultureller Austausch

Das Wertvollste war für mich der Austausch mit Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen Ländern, unter anderem aus Palästina, dem Libanon und Zypern. Ich musste lernen, auch bei sprachlichen Hürden klar zu kommunizieren, Anweisungen einfach und verständlich zu formulieren und auf non-verbale Verständigung zurückzugreifen. Genau in diesen Situationen wuchs mein Selbstvertrauen: Während ich in der ersten Woche vor allem assistierte, konnte ich später eigenständig Gruppen anleiten, Feedback geben und organisatorische Aufgaben übernehmen.

Was ich mitnehme

Fachlich habe ich vor allem verstanden, wie wichtig es ist, technische Inhalte schrittweise aufzubauen: die Bewegung zunächst ohne Zeitdruck erklären, Wiederholungen ermöglichen und sie dann in spielnahe Entscheidungs- und Wettkampfsituationen übertragen. Kurze, klare Erklärungen, eine sichtbare Demonstration und unmittelbares, konstruktives Feedback erleichtern den Lernprozess enorm. Ebenso beeindruckend war, wie flexibel die Haupttrainer auf unterschiedliche Leistungsniveaus in derselben Gruppe reagierten – durch Differenzierung nach Alter oder gezielte Einzelbetreuung.

Für meine weitere Arbeit als Trainerin nehme ich mir vor, Anweisungen noch präziser und kürzer zu formulieren, Übungsvarianten für verschiedene Leistungsniveaus schon in der Vorbereitung einzuplanen und mein Feedback individueller zu gestalten – erst eine konkrete positive Beobachtung, dann ein klarer Verbesserungshinweis, dann direkt eine neue Gelegenheit zur Umsetzung.

Herausforderungen

Ganz ohne Hürden ging es nicht: die Verständigung mit Teilnehmenden unterschiedlicher Muttersprachen, hohe Temperaturen und ihr Einfluss auf Belastungssteuerung und Pausen, alters- und leistungsgemischte Gruppen, die eine ständige Anpassung der Übungen verlangten, und der organisatorische Mehraufwand rund um die Turniere parallel zum laufenden Trainingsbetrieb. Gerade diese Situationen haben mich am meisten weitergebracht.

Fazit

Der Erasmus+ Aufenthalt in Agros hat mir wertvolle Einblicke in professionelle Trainingsplanung und -durchführung im Jugendbasketball ermöglicht. Die schrittweise Übernahme eigener Verantwortung – von der Materialvorbereitung über die eigenständige Gruppenbetreuung bis zur Mitorganisation von Turnieren – hat mich trainerisch wie persönlich weitergebracht. Ich nehme aus diesen drei Wochen zahlreiche konkrete Übungsformen, methodische Prinzipien und interkulturelle Erfahrungen mit, die ich in meiner weiteren Tätigkeit als Trainerin einsetzen möchte.

Besonderer Dank gilt an meinen Verein Brezn e.V., Moufflons, Jugend für Europa sowie dem Erasmus + Programm der EU ohne deren finanzierung das alles nicht möglich wäre.


Diese Mobilität wurde von Brezn e.V. durchgeführt und im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein Brezn e.V.; die Europäische Union haftet nicht für die weitere Verwendung der enthaltenen Informationen.

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