Trainer beim Mouflons Cyprus Basketball Camp 2026 – mein Erfahrungsbericht aus Agros, Martin Jankov

Erfahrungsbericht von Martin Jankov, der als Trainer und Head Coach drei Wochen lang das internationale Basketballcamp im zyprischen Agros begleitet hat (19. Juli – 8. August 2026), im Rahmen unseres Erasmus+ KA-182 Projekts: Basketball Camp residence

Erfahrungsbericht von Martin Jankov

Drei Wochen, drei Gruppen, drei völlig unterschiedliche Leistungsniveaus – und ein gemeinsames Ziel: dass jeder Teilnehmer am Ende seiner Campwoche das Gefühl hat, sich weiterentwickelt zu haben. In diesem Bericht nehme ich euch mit durch meine Zeit als Trainer beim Mouflons Cyprus Basketball Camp 2026 in Agros auf Zypern: von meiner Trainingsphilosophie über den Aufbau der einzelnen Einheiten bis hin zu den Turnieren, den gemeinsamen Aktivitäten abseits des Courts und dem, was ich persönlich mitgenommen habe. Ermöglicht wurde mein Einsatz im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität von Brezn e.V.; Gastgeber des Camps vor Ort war der zyprische Verein Mouflons.

Agros, Zypern

Meine Trainingsphilosophie

Für mich war das Camp eine besondere Gelegenheit, meine Erfahrung als Trainer in einem internationalen Umfeld anzuwenden und gleichzeitig mein eigenes Trainingskonzept weiterzuentwickeln. In zwei der drei Wochen war ich Head Coach einer jüngeren bzw. technisch weniger fortgeschrittenen Gruppe, in der dritten Woche übernahm ich die Gruppe mit dem höheren technischen und taktischen Niveau. Durch diese drei sehr unterschiedlichen Gruppen musste ich meine Inhalte immer wieder an Alter, Können und die individuellen Voraussetzungen der Spieler anpassen.

Ein zentraler Grundsatz zog sich durch alle drei Wochen: die Progression von einfachen zu komplexen Spielsituationen. Technik sollte nie isoliert bleiben, sondern schrittweise unter realen Spielbedingungen anwendbar werden. Viele Übungen habe ich deshalb nach dem Prinzip 1-gegen-0 → 1-gegen-1 → 2-gegen-0 → 2-gegen-1 → 2-gegen-2 → 3-gegen-2 → 3-gegen-3 aufgebaut. So lernten die Spieler zuerst eine Bewegung oder technische Lösung kennen, bevor Schritt für Schritt Zeit-, Raum- und Entscheidungsdruck hinzukamen. Aus einer sauberen 1-gegen-0-Ausführung wurde im 1-gegen-1 eine Reaktion auf den Verteidiger, und mit jedem zusätzlichen Spieler kamen Spacing, Kommunikation, Passentscheidungen und das Erkennen von Überzahlsituationen dazu.

Auch das Aufwärmen habe ich bewusst anders gestaltet. Statt täglich nur ein paar Laufrunden und statische Mobilisation zu absolvieren, habe ich früh basketballspezifische Bewegungen, kleine Spiele, Reaktions- und Wettbewerbsformen integriert. So begann die Aktivierung schon mit Wahrnehmung, Kommunikation und Entscheidungsfindung – die Spieler wurden körperlich vorbereitet und mussten gleichzeitig bereits basketballspezifisch denken. Meine Grundstruktur war dabei stets: Aktivierung → Mobilisation → basketballspezifische Bewegung → technische Vorbereitung → spielnahe Aufgabe → Intensitätssteigerung → Hauptteil.

Besonders wichtig war mir, dass die Spieler aktiv am Lernprozess beteiligt wurden. Ich wollte ihnen nicht jede Lösung vorgeben, sondern sie Situationen selbst wahrnehmen, Entscheidungen treffen und auch Fehler machen lassen – Fehler verstehe ich als festen Bestandteil des Lernens. Meine Aufgabe als Head Coach bestand daher weniger darin, Übungen abzuspulen, als darin zu beobachten, Coachingpunkte zu erkennen, Übungen bei Bedarf anzupassen und die Spieler zu besseren eigenen Entscheidungen zu führen. Neben der individuellen Entwicklung spielte die Gruppendynamik eine große Rolle: Partnerübungen, Wettbewerbe und Small-Sided Games sollten Kommunikation, gegenseitige Unterstützung und Teamgeist fördern.

Die erste Campwoche: Grundlagen und erste Wettkämpfe

Nach der Anreise von Memmingen über Paphos ging es mit dem Transfer nach Agros, wo sich Camp-Hotel und Trainingsanlagen befanden. Als eine der ersten Trainergruppen vor Ort konnten wir alles vorbereiten, und schon am ersten Abend bot der Open Court auf dem Hotelcourt die Gelegenheit, die ankommenden Teilnehmer in einer natürlichen Spielsituation zu beobachten. Diese ersten Eindrücke – Ballhandling, Passing, Shooting, Footwork und vor allem das Spielverständnis – waren später die Grundlage für die Einteilung der Trainingsgruppen. Der erste Abend endete gemeinsam vor dem WM-Finale im Fußball, wodurch von Anfang an eine offene, unkomplizierte Atmosphäre entstand.

Als Head Coach der technisch weniger fortgeschrittenen Gruppe legte ich den Fokus zunächst auf ein gemeinsames technisches Fundament. Wir starteten mit Passing-Drills, die Passqualität mit Bewegung ohne Ball verbanden, teilten den Half Court in Stationen für Reaction-and-Finishing sowie Ballhandling und arbeiteten aus der Triple-Threat-Position an Dribbling-Start, Cross Step, erstem Schritt und Wurf. Ein wiederkehrendes Element war der Diamond Drill, in dem Footwork, kontrolliertes Dribbling, Richtungswechsel und Ball Protection zusammenkamen – bewusst zunächst langsam, dann mit steigender Geschwindigkeit und mehr Entscheidungen.

An den Folgetagen kamen Ballkoordination (u. a. der Snake Drill mit zwei Bällen), Passvarianten von Chest über Bounce bis Hook Pass und ein sauberer Aufbau der Wurftechnik dazu. Ein Highlight war das Shooting Game mit Stühlen: Fünf Spieler kämpften um vier Stühle, die man sich nur durch erfolgreiche Würfe sichern konnte. Über diese einfache Wettbewerbsform entstand genau der Druck, unter dem ich die Wurfqualität beobachten wollte. Immer wieder ging es mir um den Übergang von der reinen Technik zur Entscheidung: Die Spieler sollten nicht nur einen korrekten Wurf oder Drive ausführen, sondern erkennen, welche Aktion gegen den Verteidiger sinnvoll ist.

Der vierte Trainingstag stand ganz im Zeichen des Übergangs vom 1-gegen-1 zum 2-gegen-2 – von der Reaktion nach dem Rebound über Ball Protection bis zu Pass-and-Closeout-Situationen, in denen Spacing, Passwinkel und die Position des Mitspielers dazukamen. Den sportlichen Abschluss der Woche bildete das offizielle 3x3-FIBA-Turnier: für mich eine Art praktische Abschlussprüfung, bei der sich zeigte, welche Spieler Verantwortung übernahmen, Räume erkannten und unter Druck Entscheidungen trafen.

Nicht alles fand in der Halle statt. Der Ausflug nach Limassol mit Besuch der MyMall und Zeit am Strand, die International Night im Hotel und die gemeinsamen Open Courts am Abend waren fester Bestandteil des Konzepts – gerade diese Momente außerhalb des Trainings stärkten die Gruppendynamik.

Zum Wochenabschluss gab es ein gemeinsames Abschlussgespräch, in dem die Spieler erzählten, was ihnen gefallen hatte und welche Übungen sie als hilfreich empfanden, gefolgt von der Übergabe der Teilnahmezertifikate. Für mich war besonders aufschlussreich, wie unterschiedlich die Kinder auf dieselben Übungen reagierten – und wie wichtig es deshalb ist, Training nicht starr, sondern flexibel zu planen.

Die zweite Campwoche: Passspiel, Reaktion und Kreativität

Auch in der zweiten Woche übernahm ich die jüngere Gruppe. Nach einer Einführung, die den roten Faden der Woche erklärte, bauten wir das technische Fundament neu auf: grundlegendes Ballhandling, Triple Threat und der explosive erste Schritt, immer mit dem Hinweis, dass zur Handbewegung auch das passende Footwork gehört.

Der Mittwoch begann mit zwei Reaktionsspielen, darunter „Hit the Man" mit Basketball, Tennisball und American Football, bei dem die Spieler gleichzeitig auf eine Nummer und die genannte Ballart reagieren mussten – eine Form, die Reaktion, Orientierung und Entscheidungsfähigkeit wunderbar verband. Im Hauptteil kamen Eurostep, Reverse Layup und Kombinationen mehrerer Dribbling-Moves dazu. Am Nachmittag standen die Hotel Olympics an: In vier Teams durchliefen die Teilnehmer Stationen wie Bogenschießen, Cooperation Games, Target Throw, Water Cup Carrying und Spoon Diving im Pool. Hier ging es nicht um sportliche Leistung, sondern um Teamwork und Kommunikation.





Am Donnerstag verlagerte sich der Schwerpunkt auf Footwork und ein Memory Game mit Ball, das technische Fähigkeiten mit kognitiven Anforderungen verband, bevor am Nachmittag die Gruppenphase des 3x3-Turniers startete. Der letzte Trainingstag der Woche bündelte noch einmal viele koordinative Inhalte: der Liverpool Drill mit mehreren Bällen, ein Passspiel, das den Ball ausschließlich über Pässe zum Korb bewegte, der Pacman Drill entlang der Basketballlinien und ein reaktives Spiel, das vom Defensive Dribble direkt in den Angriff überging. Zum Abschluss ein besonderes 5-gegen-5 mit wechselnden Spielobjekten – Basketball, Tennisball, American Football – und ein gemeinsames Spiel von Teilnehmern und Trainern, das die Woche mit viel Spaß abrundete.

Die dritte Campwoche: Taktik, Decision Making und 3x3

In der dritten Woche übernahm ich bewusst die technisch und taktisch stärkere Gruppe. Schon nach dem ersten Open Court war klar, dass wir deutlich komplexer arbeiten konnten. Bei dieser Gruppe konnte ich viel stärker auf Details eingehen – etwa darauf, ob eine Bewegung mit dem richtigen Timing ausgeführt oder ob unnötige Dribblings verwendet wurden.

Die Inhalte wurden anspruchsvoller: Decision Making und Off-Screen Reads an getrennten Court-Bereichen, Finishing mit Kontakt und verschiedene Pick-and-Roll-Situationen gegen unterschiedliche defensive Coverages. Dabei coachte ich sowohl Ballhandler als auch Screener – Timing, Winkel des Screens, Abstand zwischen den Spielern und die Reaktion auf die Defense standen im Mittelpunkt. Ein Schwerpunkt lag außerdem auf Stabilisation und Passing aus einer stabilen Einbeinposition sowie auf einem reaktiven 1-gegen-1 mit Körperkontakt, bei dem die Spieler eine vorgegebene Körperstelle des Gegners berühren und die eigene gleichzeitig schützen mussten. Beim Finishing mit Kontakt kam ein Yoga-Ball zum Einsatz, um kontrollierten Kontakt zu simulieren und den Spielern beizubringen, ihren Abschluss auch unter Kontakt nicht abzubrechen.


Ein eigener Fokus galt dem 3x3-Spacing: In 2-gegen-0- und 3-gegen-0-Abläufen arbeiteten wir an Bewegung ohne Ball, dem Besetzen freier Räume, dem Attackieren von Gaps, Kick-out, Extra Pass und dem erneuten Drive. Mir war wichtig zu vermitteln, dass nach einem Drive die Aktion nicht endet: Wenn die Defense rotiert, muss der Ball weiterbewegt und der frei gewordene Raum erneut genutzt werden – gerade im 3x3, wo jede Bewegung großen Einfluss hat. Zur Regeneration gab es eine gemeinsame Yoga-Session und eine Aquafitness-Einheit, und am frühen Abend der Anreise besuchten wir eine lokale Veranstaltung der Gemeinde Agros, die den Teilnehmern ein Stück zyprische Kultur näherbrachte.

Der letzte Trainingstag begann mit einem Squeeze Game für Reaktion und Konzentration und bündelte im Hauptteil noch einmal anspruchsvolles Ballhandling – Push Crossover, In-and-Out, Hesitation, Crossover to Between the Legs, Behind the Back – verbunden mit Drives und verschiedenen Finishing-Optionen. Meine Botschaft zum Schluss: Entscheidend ist nicht die Anzahl der Dribbling-Moves, sondern die Fähigkeit, die richtige Bewegung im richtigen Moment einzusetzen. Am Nachmittag folgte das offizielle 3x3-Abschlussturnier mit Gruppenphase, K.-o.-Runden, Halbfinale und Finale – der wichtigste praktische Abschluss der gesamten Woche, in dem Spacing, Drive-and-Kick, Closeouts, Kommunikation und Entscheidungen unter Druck sichtbar wurden.

Was ich mitnehme

Die drei Wochen auf Zypern waren für mich eine sehr wertvolle Erfahrung – als Trainer und besonders als Head Coach. Mit drei aufeinanderfolgenden Gruppen und drei Leistungsniveaus zu arbeiten, hat mir noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig eine flexible Trainingsplanung ist. Ein Plan gibt Struktur vor, muss aber jederzeit an die tatsächliche Situation angepasst werden können: Beherrscht eine Gruppe eine Bewegung bereits gut, kann man sie schneller in spielnahe Situationen überführen; treten grundlegende Probleme auf, geht man einen Schritt zurück und stabilisiert zuerst die Basis.

Besonders viel Wert habe ich auf die Verbindung von Technik und Entscheidungsfindung gelegt – die Spieler sollten nicht nur wissen, wie ein Crossover, ein Pass oder ein Finish funktioniert, sondern auch wann und warum. Die Progression von 1-gegen-0 bis 3-gegen-3 hat sich dafür als ideal erwiesen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass gutes Coaching nicht bedeutet, jede Bewegung ständig zu korrigieren: Gerade bei den stärkeren Spielern bestand meine Aufgabe zunehmend darin, Fragen zu stellen, Situationen zu schaffen und die Spieler selbst Lösungen finden zu lassen. Und die Arbeit als Head Coach hat mir gezeigt, wie entscheidend klare Kommunikation ist – Übungen verständlich erklären, den Ablauf organisieren, mehrere Spieler gleichzeitig beobachten und bei Bedarf spontan anpassen.

Nicht zuletzt war mir die Verbindung von Leistung und Freude wichtig. Bei einem Camp mit Kindern und Jugendlichen darf Training nicht nur aus Korrekturen und Leistungsdruck bestehen. Wettbewerbe, Small-Sided Games, Open Courts und gemeinsame Aktivitäten – von der International Night über die Hotel Olympics bis zu den Ausflügen nach Limassol – haben dazu beigetragen, dass sich die Teilnehmer als Gruppe entwickelt haben. Erfolgreich war deshalb nicht nur die sportliche Entwicklung, sondern auch Teamgeist, Selbstständigkeit, Kommunikation und Vertrauen innerhalb der Gruppe.

Für meine eigene Entwicklung als Trainer nehme ich vor allem mit, dass gutes Coaching eine Kombination aus Planung, Beobachtung, Anpassungsfähigkeit und Kommunikation ist. Ich habe gelernt, Inhalte noch bewusster zu strukturieren, Übungen gezielter zu progressieren und Technik stärker mit echten Spielsituationen zu verbinden – und ich konnte meine Rolle als Head Coach weiterentwickeln und mehr Verantwortung für Planung, Durchführung und Reflexion übernehmen. Insgesamt war das Basketballcamp eine intensive, abwechslungsreiche und lehrreiche Erfahrung, die mir wertvolle Impulse für meine weitere Arbeit als Basketballtrainer gegeben hat.

Was das Camp besonders gemacht hat

  • Sichtbare Weiterentwicklung in Organisation und Ablauf gegenüber der Vorsaison – vieles griff spürbar besser ineinander.

  • Kurze Kommunikationswege durch vom Veranstalter gestellte Smartwatches: Als Trainer trage ich mein Handy nicht bei mir und konnte wichtige Informationen trotzdem sofort wahrnehmen.

  • Sehr gute, unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Trainern und sportlicher Leitung, sodass sich viele Situationen schnell und direkt lösen ließen.

  • Flexible Trainingsgruppen, die sich am jeweiligen Leistungsniveau orientierten und eine gezielte individuelle Betreuung ermöglichten.

  • Eine gelungene Balance aus intensivem Basketballtraining, Wettbewerbsformen und gemeinsamen Freizeitaktivitäten – sportliche Entwicklung und Campgemeinschaft gingen Hand in Hand.

Dank

Mein Dank gilt dem Programm Erasmus+ der Europäischen Union, das diese Mobilität und damit den Austausch über Ländergrenzen hinweg erst möglich gemacht hat. Ebenso danke ich Brezn e.V. als entsendender Organisation für die Vorbereitung und Begleitung sowie unseren Gastgebern von Mouflons auf Zypern für die herzliche Aufnahme, die hervorragende Organisation vor Ort und drei unvergessliche Wochen in Agros.

Diese Mobilität wurde von Brezn e.V. durchgeführt und im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein Brezn e.V.; die Europäische Union haftet nicht für die weitere Verwendung der enthaltenen Informationen.

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Drei Wochen Basketball auf Zypern – mein Erasmus+ Job Shadowing in Agros