Als Coach beim Basketballcamp auf Zypern – mein Erfahrungsbericht aus Agros

Erfahrungsbericht von Mirche Petrushevski über drei Wochen Job Shadowing und Coaching im internationalen Basketballcamp in Agros, Zypern (19. Juli – 7. August 2026).

Drei Wochen, drei Gruppen, viele neue Gesichter – und jeden Tag die Aufgabe, aus einer bunt zusammengewürfelten Truppe eine Gruppe zu formen, die zusammen besser wird. In diesem Bericht nehme ich euch mit durch meine Zeit im Rodon Hotel in Agros: von meiner Rolle zwischen Head Coach und Assistenztrainer über den Aufbau der Trainingseinheiten bis zu den Turnieren und dem, was ich persönlich mitgenommen habe. Ermöglicht wurde mein Einsatz im Rahmen einer Erasmus+ Mobilität von Brezn e.V.; Gastgeber vor Ort war der zyprische Verein Mouflons.

Meine Rolle im Camp

Mein Aufenthalt war als Job Shadowing angelegt: Ich wollte das Programm der erfahrenen Trainer vor Ort kennenlernen, von ihnen lernen und zugleich selbst praktische Erfahrung sammeln. In der Praxis war ich häufig in der Rolle des Head Coach, übernahm zeitweise aber auch die Rolle des Assistenztrainers – und gerade dieser Perspektivwechsel war wertvoll, weil ich so von den anderen Coaches lernen und zugleich eigene Verantwortung tragen konnte.

Ein Grundsatz war mir von Anfang an wichtig. Gleich zu Beginn habe ich meiner Gruppe die drei Dinge genannt, die für mich die Basis jeder guten Trainingsgruppe sind: Disziplin, Respekt füreinander und Kommunikation. Alles Weitere – Technik, Taktik, Wettkampf – baut darauf auf.

Erste Woche: Kennenlernen, Grundlagen und erste Wettkämpfe

Schon am Ankunftstag, dem 19. Juli, ging es auf dem Open Court am Hotel los: In einer 3-gegen-3-Sichtung verschafften wir uns ein erstes Bild vom Niveau der Kinder, um sie in passende Gruppen einzuteilen. Meine Gruppe bestand aus den technisch weiter fortgeschrittenen Teilnehmern, mein Trainerkollege übernahm die andere.

In den folgenden Tagen stand das technische Fundament im Mittelpunkt – immer mit dem Ziel, Technik und Entscheidung zu verbinden. Wir arbeiteten an Passvarianten (Chest, Bounce, Pocket, Hook) und Ballhandling, an mehrstufigen Ballhandling-, Finishing- und Entscheidungsübungen, bei denen ein Zuruf bestimmte, wie eine Aktion abgeschlossen wird – etwa In-and-out-Dribbling mit Lay-up oder Crossover mit Pull-up. Dazu kamen Footwork für den Dribbling-Start ohne Schrittfehler, Spin-Move und Triple-Threat-Position, Closeout-Übungen in Paaren, Rebound-Outlet-Progressionen sowie zahlreiche 1-gegen-1- und 2-gegen-2-Formen mit eingebautem Vor- oder Nachteil. Bewusst habe ich die Übungen so gestaltet, dass die Kinder schnell reagieren und miteinander kommunizieren mussten – auch dann, als sie sich noch gar nicht richtig kannten.

Neben der Halle gehörte das Drumherum fest dazu: ein Nachmittag in der Mall in Limassol mit anschließendem Strandbesuch, ein gemeinsames Barbecue und das Geselligsein am Abend. Zum Wochenabschluss stand am 24. Juli ein 3x3-Turnier an – für mich die praktische Nagelprobe, bei der sich zeigte, wer das Gelernte unter Wettkampfdruck umsetzen konnte.

Zweite Woche: Reaktion, Passspiel und Turnierorganisation

Die zweite Woche begann mit viel Tempo und Kopfarbeit. Reaktionsspiele mit Kommandos für Kopf, Finger und Knie oder mit farbigen Bällen schärften Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit schon im Aufwärmen. Im Hauptteil arbeiteten wir an Crossover-Varianten mit anschließendem Spin- oder Behind-the-Back-Move, an Zwei-Ball-Dribbling in Zickzack- und Kreisformen, an Pass- und Wettbewerbsspielen sowie an reaktiven Formen, bei denen ein hartes Dribbling des Verteidigers den Angriff auslöste. Am 28. Juli rundeten Defense Slides, 1-gegen-1 im Halbfeld und ein 5-gegen-5 ohne Dribbling den Tag ab.

Am 29. Juli lag der Schwerpunkt auf Ballhandling-Grundlagen – besonders mit den jüngeren Kindern, eine Einheit, die ich in weiten Teilen eigenverantwortlich geleitet habe –, inklusive einer Lay-up-Übung mit alternierendem Schrittmuster. Am Nachmittag gab es „Hotel Olympics", bei denen die Kinder in Teambuilding-Aktivitäten ihren Teamgeist zeigten.

Teambuilding bei den Hotel Olympics

Der 30. Juli stand im Zeichen der Turniervorbereitung mit 2-gegen-1- und 3-gegen-3-Formen; nachmittags folgte die Gruppenphase des offiziellen 3x3-Turniers, abends Halbfinale und Finale auf dem Open Court. Zum Wochenabschluss am 31. Juli sorgte die kreative Übung „Basket-Pingpong" für Ballgefühl, bevor eine Pass-and-Cut-Progression, ein Skills-Wettbewerb und ein 5-gegen-5 – auch gegen die Trainer selbst – die Woche abrundeten.

Dritte Woche: Taktik, Decision Making und 3x3

In der dritten Woche wurde es anspruchsvoller. Nach einem Aufwärmen aus Schere-Stein-Papier an Hütchen und Lauf-ABC kombinierten wir Dribbling mit einem Tennisball, um Koordination und Feinmotorik zu fordern, und ergänzten später Pässe. Im Zentrum standen jetzt Decision Making und spielnahe Formen: ein reglementiertes 3-gegen-3-Continuum mit gezielten Einschränkungen, verschiedene Pick-and-Roll-Situationen gegen unterschiedliche Verteidigungsvarianten, Box-out-Progressionen und 2-gegen-2 über das ganze Feld. Dabei wechselte ich bewusst zwischen führender und unterstützender Rolle, um die Stationen zu organisieren und die Spieler in den Live-Wiederholungen zu korrigieren. Zur Regeneration kamen eine Aquafitness- und eine Yoga-Einheit dazu.

Ein eigener Fokus galt dem Übergang von der Technik ins Spiel: 1-gegen-1 im Spielkontext, bei dem beide Spieler mit eigenem Ball auf Kommandos reagierten, Finishing-Stationen und Offense gegen verschiedene Pick-and-Roll-Coverages. Am 6. August arbeiteten wir in 3-gegen-0-Bewegungsfolgen an Pass-Pass-Lay-up, Off-Ball-Screens und Abschlüssen in die Ecke, ergänzt durch eine strukturierte Lay-up-Progression mit Fokus auf innerem und äußerem Fuß. Der letzte Trainingstag bündelte Finishing nach einem Cut, eine Pick-and-Roll-Passfolge mit Pocket- und Hook-Pässen und abschließende 2-gegen-2-Spiele. Den Abschluss bildete das offizielle 3x3-Abschlussturnier – das finale Wettkampfumfeld, in dem die Spieler alles Gelernte der drei Wochen anwenden konnten.

Was ich mitnehme

Die drei Wochen haben mir Erfahrung in beidem gegeben: erfahrene Trainer zu unterstützen und zugleich selbst Verantwortung für Teile des Trainings zu übernehmen. Meine Rolle entwickelte sich spürbar vom Beobachten und Assistieren hin zum eigenständigen Anleiten – besonders mit den jüngeren Spielern und in den technischen Progressionen.

Die wichtigste methodische Lektion war für mich die Verbindung von Technik und Entscheidungsfindung. Viele Übungen starteten mit einer technischen Bewegung und bekamen dann ein Signal, einen Verteidiger, einen Vorteil, eine Einschränkung oder ein Wettkampfelement dazu. Genau das half den Kindern, ihre Fertigkeiten in realistische Spielsituationen zu übertragen. Daneben hat das Camp meine organisatorischen Fähigkeiten gestärkt: Neben dem Coaching war ich in die Gruppeneinteilung, das Erstellen von 3x3-Profilen, die Turnierorganisation und das praktische Management der Trainingsstationen eingebunden. Das hat mir gezeigt, dass gutes Coaching auch Vorbereitung und Kommunikation außerhalb der eigentlichen Übung umfasst.

Für meine weitere Arbeit nehme ich mir vor, Anweisungen noch klarer und kürzer zu formulieren, verschiedene Schwierigkeitsstufen derselben Übung vorzubereiten und Wartezeiten durch bessere Stationsorganisation zu reduzieren. Und ich möchte mein Selbstvertrauen als Head Coach weiterentwickeln – ohne die Fähigkeit zu verlieren, andere Trainer wirkungsvoll zu unterstützen.

Dank

Mein Dank gilt dem Programm Erasmus+ der Europäischen Union, das diese Mobilität und den Austausch über Ländergrenzen hinweg erst möglich gemacht hat. Ebenso danke ich Brezn e.V. als entsendender Organisation für Vorbereitung und Begleitung sowie unseren Gastgebern von Mouflons auf Zypern für die herzliche Aufnahme und die hervorragende Organisation vor Ort.

Diese Mobilität wurde von Brezn e.V. durchgeführt und im Rahmen des Programms Erasmus+ der Europäischen Union gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein Brezn e.V.; die Europäische Union haftet nicht für die weitere Verwendung der enthaltenen Informationen.

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Drei Wochen als Coach beim Basketballcamp auf Zypern – mein Erfahrungsbericht Luisa Daum

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